Russland 2.0: Das Land durch seine Sprache und Medien verstehen

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Mary Hobson: Alles wegen Tolstoi…

02. Februar 2017 Quellenmodul Sprachniveau: ,
Ares Guivernau Almazan

Die englische Übersetzerin Mary Hobson entschied im Alter von 56 Jahren, ihr Leben der Russischen Sprache zu widmen. Sie gab sich nicht damit zufrieden, Russisch nur als Hobby zu betreiben, sondern studierte Slawistik und promovierte später. In Russland gilt sie als Puschkin-Expertin.

Foto: Sergej Prokudin-Gorski / gemeinfrei / Wikimedia

 

In diesem Video erzählt Marry Hobson, wie sie zur Russischen Sprache kam und wie sie in den 1990er Jahren in Moskau lebte. Schauen Sie selbst:

Video: Mary Hobson: “Это все из-за Толстого…” von StCinnabar unter CC BY (gekürzt)
Original: StCinnabar, 02.02.2014

Wenn Sie nicht alles verstanden haben, ist es kein Problem. Unten finden Sie das Video mit russischen und deutschen Untertiteln und das Skript mit Kommentaren (die Übersetzerin Mary Hobson spricht wirklich sehr gut Russisch, ist aber keine Muttersprachlerin, deswegen macht sie hin und wieder Fehler). Außerdem finden Sie unten die Übersetzung des Videos, eine Vokabelliste und ein Quiz, das Ihnen helfen kann, herauszufinden, ob Sie alles richtig verstanden haben.

Я очень поздно, вы знаете, начала заниматься языком. Это, почти просто случайно было. Потому что я была в больнице, что-то тривиальное, что-то не то с ногами, но надо [было] лежать две недели и не стоять. О, какая скука. Нечего делать кроме, конечно, читать [нечего делать, можно было только читать] А дочь моя, Эмма, привезла меня [мне], по-английски, конечно, «Войну и мир». Это первый раз в жизни я читала русскую литературу. Почему-то это было так. Я весь день читала и читала. Я была в восторге. А вдруг после трёх ночи я проснулась ночью и думала: "Я не читала «Войну и мир», я только читала перевод. Надо заниматься русским языком и читать оригинал". И так, вот, как мне повезло: я только что познакомилась со старой женщиной, случайно. Я знала, да думала, англичанка, может быть, не знала, акцента почти не было, может быть иностранка. И, после, ну, несколько дней [через несколько дней] я поступила в вечерние уроки [пошла на вечерние курсы], чтобы заниматься русским языком. Когда я сказала это ей, она сказала: но не надо, я преподаю, конечно. Только тогда я узнала, что она старая эмигрантка. Она приехала в Лондон, когда ей было восемнадцать лет. Всю жизнь она здесь. Она уже умерла. Она, ну, на девять лет старше меня. И она… Я, конечно, забыла уроки, вечерние уроки, и начала с ней. И потом она дала мне стихотворение [поэму] Пушкина, первый раз в жизни, это был «Медный всадник». А я не читала стихотворение [поэму] до этого. А я опять, я была просто …. Я думала, ну наконец я поняла, что такое стихотворение [поэма]. И сразу начала перевести [переводить]. О! это было так плохо. Только три месяца назад я первый раз в течение, может быть, двадцати… Мне тогда было пятьдесят шесть лет, пятьдесят шесть лет и сейчас восемьдесят пять. Ну, это очень много лет назад. А я перечитала и думала, о, какой ужас. Надо всё сделать заново. Я почти, мне сталось, ну, двадцать с половиной страниц, я почти«переперевела» «Медный всадник». Ну. И так это первый перевод. Ну, когда мне было шестьдесят два года, я решила относиться к делам серьёзно, более серьёзно, и поступила в лондонскую [лондонский] университет. Это, тогда мне было, конечно, шестьдесят два года, ну, и я спросила: у вас есть зрелые студенты? Да… И, конечно, третий курс был десять месяцев в Москве. О, я приехала сюда с молодыми студентами. Это так смешно. Им может быть двадцать два [года], девятнадцать лет. Ну, это было в общежитии. Это так смешно. Это золотое время было для меня. Конечно, для страны это так [такое] трудное, тяжёлое время. Это было в девяностом, девяносто первом году. Ну, конечно. И нам надо найти еды, продукты и так далее – магазины были пустые. О! Это приключение было. Ну, конечно, время не проблема. Это забава.

Wissen Sie, ich habe erst sehr spät angefangen, Russisch zu lernen. Das ist fast ein Zufall gewesen. Ich lag im Krankenhaus, es war nichts Ernstes, etwas mit den Beinen, aber ich musste zwei Wochen im Bett liegen. Oh, wie langweilig. Ich hatte nichts zu tun, außer Lesen, natürlich. Und meine Tochter Emma hat mir auf Englisch, selbstverständlich, den Roman Krieg und Frieden mitgebracht.

Das war das erste Mal, dass ich russische Literatur gelesen habe. Das war einfach so. Ich habe den ganzen Tag gelesen und gelesen. Ich war begeistert. Und plötzlich, nach drei Nächten, bin ich mit dem Gedanken aufgewacht: Ah! Ich habe nicht Krieg und Frieden gelesen sondern nur die Übersetzung. Ich muss Russisch lernen und das Original lesen.

Und so hatte ich Glück: Ich habe eben zufällig eine alte Frau kennengelernt. Ich dachte, dass sie Engländerin war, ich wusste es nicht genau, sie hatte fast keinen Akzent, sie konnte auch Ausländerin sein. Und nach einigen Tagen habe ich angefangen abends einen Russischkurs zu besuchen. Als ich es ihr erzählt habe hat sie mir gesagt: das brauchst du nicht, ich werde dir Russisch beibringen. Erst dann habe ich erfahren, dass sie eine alte Emigrantin war. Sie ist nach London gekommen, als sie achtzehn Jahre alt war. Sie hat hier fast ihr ganzes Leben verbracht. Sie ist schon gestorben, sie war neun Jahre älter als ich. Und sie… Ich habe natürlich den Kurs vergessen und habe mit ihr angefangen.

Und dann hat sie mir ein Gedicht von Puschkin Der eherne Reiter gegeben. Ich hatte davor noch nie dieses Gedicht gelesen. Ich dachte mir, jetzt habe ich endlich verstanden, was ein Gedicht ist. Und sofort habe ich angefangen, es zu übersetzen. Oh! Es war so schlimm. Ich war damals sechsundfünfzig Jahre alt und jetzt bin ich fünfundachtzig Jahre alt. Das war vor vielen Jahren. Dann habe ich es durchgelesen und habe gedacht: wie schrecklich! Ich muss alles aufs Neue machen. Mir fehlten zwanzig ein halb Seiten, ich habe fast Der eherne Reiter überübersetzt. Und das war die erste Übersetzung.

Als ich zweiundsechzig Jahre alt war, habe ich mich entschieden das Ganze ernst, ernster zu nehmen, und mich bei der Universität London zu bewerben. Damals war ich zweiundsechzig Jahre alt und ich habe gefragt: haben Sie reife Studierende? Ja... Und der dritte Kurs war zehn Monate in Moskau. Oh, ich bin mit jungen Studierenden hergekommen. Das war so lustig. Sie waren vielleicht zweiundzwanzig, neunzehn Jahre alt. Das war im Studentenwohnheim. Das war so lustig. Das waren goldene Zeiten für mich. Selbstverständlich waren es für das Land sehr schwierige, harte Zeiten. Das war im Jahr einundneunzig. Ja, genau. Und wir mussten Essen, Lebensmittel usw. finden und die Läden waren leer. Oh! Das war ein Abenteuer. Die Zeit ist selbstverständlich kein Problem. Das ist ein Zeitvertreib.

Schauen Sie sich das Video an und lösen Sie die folgenden Aufgaben.


Übersetzung, Untertitelung, Quiz und Vokabelliste: Ares Guivernau Almazan unter CC BY-SA 4.0

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