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Von Kopeke zu „Kopeke”

01. Mai 2018 Landeskundemodul Sprachniveau: ,
Roman Kuznetcov, Peter Sigloch

Kopeke, die kleinste russische Münze, kostet fast nichts. Selbst ihre Prägung ist teurer als ihr Nominalwert. Warum ist sie denn so wichtig, dass sie immer noch produziert wird? Woher stammt die komische Bezeichnung? Und was hat die Kopeke mit einem Auto zu tun?

Foto: ВАЗ 2101 von Sergey G unter CC BY 2.0 / flickr.com

От копейки к «Копейке»

Копейка, которая, согласно русской поговорке рубль бережёт – неотъемлемая часть русской жизни. Ничего не стоящая разменная монета давно превратилась в культурный феномен, а само слово «копейка» обрело дополнительные смыслы.

Копейка – русская родственница цента, одна сотая рубля. Но, в отличие от западного аналога, существительное «копейка» не содержит в себе ни праславянского корня «сто», ни латинского корня «centum» – редкое исключение для слов, обозначающих разменную часть денежной единицы.

Установить происхождение слова «копейка» пытались многие учёные. Великий русский лексикограф Владимир Даль, составитель «Толкового словаря живого великорусского языка», придерживался мнения, что «копейка» – от слова «копить»: копишь копейку, копишь, и в итоге получаешь рубль. Эта гипотеза, однако, не получила широкой поддержки лингвистов. По самой распространённой версии, «копейка» имеет общий корень со словом «копьё». Первые русские монеты в современном понимании чеканили при дворе Ивана Грозного в XV веке, и изображён на них был святой Георгий Победоносец, убивающий копьём змея. Святой носил прозвище «копейщик». Так же прозвали и монету, на которую было нанесено его изображение. С тех пор и пошло слово «копейка» в народ.

В русском языке много пословиц, поговорок и фразеологизмов, в которых упоминается копейка. «Жизнь – копейка!», смеётся лихой парень и лезет на крышу небоскрёба без страховки, не боясь разбиться. «Платят копейки», жалуется молодой специалист, зарплаты которого хватает только на скромную жизнь. «Влетит в копеечку!», вздыхает экономный муж, выбирая в подарок молодой жене дорогие серёжки.

Любопытно, что и первый общедоступный автомобиль в Советском Союзе, ВАЗ-2101, в простонародье называли «Копейка». Притом что стоила эта машина отнюдь не копейку: в 1985 году, например, за неё надо было выложить 5500 рублей – при средней зарплате в 170 рублей. Достать её было нелегко, однако советские граждане ухищрялись, собирали свои копейки, чтобы летом можно было ездить на дачу на «Копейке». Которая, к слову сказать, оправдывая своё ироничное название, ломалась практически ежемесячно.

Ценность копейки во времена СССР была, однако, довольно велика. Коробок спичек, например, стоил ровно одну копейку. За две копейки можно было позвонить по телефону-автомату, за три – проехаться на трамвае, а за десять – выпить стакан томатного сока! Сегодня же не все берут копейку даже в качестве сдачи на кассе популярного в России супермаркета «Копейка». Мелочь – только лишняя обуза для бумажника, всё равно ничего на копейку не купишь. Даже коробок спичек, и тот стоит в лучшем случае рубль.

В середине 2000-х выпуск монеты номиналом 1 копейка потерял смысл: производство копейки стоило больше, чем сама копейка, и потому было прекращено. Однако в 2015 году копейку стали чеканить вновь, руководствуясь соображениями уже совсем не материального порядка: ведь без копейки и рубль – не рубль, а 99 копеек. Для русского человека копейка значит намного больше, чем она стоит. Она – настоящий национальный символ.

Von der Kopeke zur „Kopeke“

Die Kopeke, die laut einem russischen Sprichwort den Rubel behütet, ist untrennbar mit dem russischen Leben verbunden. Die wertlose Wechselmünze hat sich längst zu einem kulturellen Phänomen gewandelt und das Wort Kopeke selbst hat zusätzliche Bedeutungen angenommen.

Die Kopeke ist die russische Verwandte des Cent, ein Hundertstel eines Rubels. Aber im Gegensatz zu ihrer westlichen Entsprechung enthält das Substantiv kopejka weder die urslawische Wurzel sto noch die lateinische Wurzel centum – eine seltene Ausnahme für Wörter, die die Kleinmünze einer Währungseinheit bezeichnen.

Die Herkunft des Worts kopejka zu ermitteln haben viele Wissenschaftler versucht. Der große russische Lexikograf Vladimir Dal‘, der Autor des „Erklärungswörterbuchs der lebendigen großrussischen Sprache“, war der Meinung, dass kopejka von kopit‘ (sparen, anhäufen) komme: Man häuft Kopeke um Kopeke an und schließlich bekommt man einen Rubel. Diese Hypothese erhielt allerdings keine breite Unterstützung durch Sprachwissenschaftler. Nach der gängigsten Version hat kopejka eine gemeinsame Wurzel mit dem Wort kop‘ё (Speer). Die ersten russischen Münzen im modernen Sinn wurden am Hof Ivans des Schrecklichen im 15. Jahrhundert geprägt und auf ihnen war der Heilige Georg abgebildet, der den Drachen mit dem Schwert tötet. Der Heilige trug den Beinamen kopejščik (Speermann). So nannte man dann auch die Münze, auf der sich seine Abbildung fand. Seither gelangte das Wort kopejka ins Volk.

Im Russischen gibt es viele Sprichwörter, Redewendungen und Phraseologismen, in denen die Kopeke erwähnt wird. „Das Leben ist eine Kopeke!“, lacht ein tollkühner Bursche, der ohne Sicherung auf das Dach eines Wolkenkratzers klettert und keine Angst hat abzustürzen. „Die zahlen Kopeken“, beschwert sich der junge Facharbeiter, dessen Gehalt nur für ein bescheidenes Leben reicht. „Das fliegt ins Kopekchen!“, seufzt der sparsame Ehemann, während er seiner jungen Frau teure Ohrringe aussucht.

Es ist interessant, dass das erste in der UdSSR für die Allgemeinheit zugängliche Auto, der VAZ-2101, im Volksmund „Kopeke“ genannt wurde. Wobei dieses Auto durchaus nicht nur eine Kopeke kostete: Im Jahr 1985 beispielsweise musste man für es 5500 Rubel ausgeben – bei einem Durchschnittsgehalt von 170 Rubel. Eins zu bekommen war nicht leicht, doch die Sowjetbürger brachten es irgendwie fertig, sammelten ihre Kopeken, um im Sommer mit der „Kopeke“ auf die Datscha zu fahren. Die im Übrigen ihre ironische Bezeichnung dadurch rechtfertigte, dass sie praktisch jeden Monat kaputtging.

Der Wert einer Kopeke war zu Zeiten der UdSSR jedoch relativ hoch. Eine Streichholzschachtel zum Beispiel kostete genau eine Kopeke. Für zwei Kopeken konnte man aus einer Telefonzelle anrufen, für drei mit der Straßenbahn fahren und für zehn ein Glas Tomatensaft trinken! Heute wird die Kopeke oft nicht mal als Wechselgeld an der Kasse des in Russland beliebten Supermarkts „Kopejka“ angenommen. Kleingeld ist nur eine unnötige Last fürs Portmonee; man kann für eine Kopeke ohnehin nichts kaufen. Nicht mal eine Streichholzschachtel – die kostet im besten Fall auch einen Rubel.

Mitte der 2000er Jahre verlor die Emission der 1-Kopeke-Münze ihren Sinn: Die Herstellung der Kopeke kostete mehr als die Kopeke selbst und wurde deshalb eingestellt. Doch 2015 wurde begonnen, die Kopeke erneut zu prägen, wobei keineswegs materielle Überlegungen zu Grunde lagen: Ohne eine Kopeke ist der Rubel kein Rubel, sondern 99 Kopeken. Für die Russen bedeutet die Kopeke viel mehr, als sie wert ist. Sie ist ein echtes Nationalsymbol.


Text: Roman Kuznetcov; Übersetzung: Peter Sigloch unter CC BY-SA 4.0

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